Aktuelle Debatten

Mai 2022

Zur aktuellen Situation der Beruflichen Bildung in Berlin im Kontext organisatorischer Rahmenbedingungen für eine
eigenverantwortliche berufliche Schule

Aus Sicht des BBB konnten die durch die Initiativen „Berufliche Schulen zu Kompetenzzentren“ sowie „Weiterentwicklung und Stärkung der beruflichen Schulen und OSZ“ verbundenen übergeordneten Zielsetzungen einer Stärkung der Eigenständigkeit der Berliner beruflichen Schulen/OSZ und damit auch einer Stärkung der gesamten Qualität der beruflichen Bildung bisher nicht im gewünschten Maß umgesetzt werden.
Sowohl die bildungspolitischen Leitlinien in der Stadt als auch die finanziellen Spielräume werden weiterhin von der Allgemeinbildung dominiert und lassen keinen wirklichen Entwicklungsspielraum für die beruflichen Schulen und OSZ zu.
Der Abteilung IV der Senatsbildungsverwaltung ist es bisher aus strukturellen Gründen nicht gelungen, eine eigene Vision für die Entwicklung der Beruflichen Bildung in der Stadt zu entwickeln und sich strategisch und finanziell von den der Allgemeinbildung zugehörigen Abteilungen zu emanzipieren. Es bedarf darüber hinaus weiterhin der Entwicklung eines gut funktionierenden Unterstützungssystems für die beruflichen Schulen und OSZ, das einen auskömmlichen und reibungsfreien Betrieb sowie die selbständige und eigenverantwortliche Umsetzung der Kernaufgaben der beruflichen Schulen/OSZ ermöglicht und diese dabei bestmöglich unterstützt.
Zur Klärung, welche organisatorischen Rahmenbedingungen für eine optimale Ausgestaltung der „Eigenverantwortlichen beruflichen Schule/OSZ“ notwendig sind und durch welche strukturellen Veränderungen bzw. eine veränderte Mantelorganisation dies ggf. unterstützt werden kann, fand am 24.05.2022 eine Strategietagung des BBB mit externer Expertise statt.
Drei Aspekte haben sich herauskristallisiert:

  1. Die Qualität und Attraktivität der Beruflichen Bildung in Berlin muss insgesamt gestärkt werden - in der dualen Ausbildung aber auch in den Bereichen des Übergangssystems und der Studienqualifizierung - damit unsere Schülerinnen und Schüler die beste Qualifizierung erhalten. Das ist das Ziel!
  2. Dazu ist zu prüfen, welches Maß an Eigenverantwortlichkeit die beruflichen Schulen/OSZ benötigen. Das ist der Weg!
  3. Ggf. wird dann ein dafür passender Organisationsrahmen zu schaffen sein. Als Hauptergebnisse der Strategietagung kann festgehalten werden:
  • Die vielfältigen Herausforderungen der gesamten beruflichen Bildung in der Stadt sind umgehend in den Fokus zu nehmen und in die öffentliche Diskussion zu bringen.
  • Einen offiziellen Auftakt dafür soll die „Berliner Agenda Berufliche Bildung 2026“ der berliner wirtschaftsgespräche e.v. mit der öffentlichen Veranstaltung „Für eine kohärente Politik beruflicher Bildung in Berlin!“ am Mittwoch, dem 15.06.2022 um 18:00 Uhr auf dem Campus Schöneberg der HWR im Raum B4.44 bilden
  • Die Lösung der vielfältigen Problemlagen bedürfen eines echten politischen Willens in der Stadt und sollten grundsätzlich sogar zur Chefinnensache bei der Regierenden Bürgermeisterin gemacht werden und mittels einer Taskforce, der die relevanten Stakeholder angehören und auf Basis einer validen Datenlage angegangen werden.
  • Die Steuerung solch eines Veränderungsprozesses muss dann zwingend durch EIN Senatsressorts (ggf. SenBJF) erfolgen und verantwortet werden.
  • Im Verlauf des Prozesses wird auch über notwendige strukturelle Veränderungen und ggf. über eine möglichst passgenaue Mantelorganisation für die „berufliche AusBILDUNG“ zu diskutieren sein; dies wäre jedoch Mittel zum Zweck und spielt insbesondere zu Beginn eines Veränderungsprozesses eine eher nachgeordnete Rolle.

 

Juni 2017

„Digitale Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung von morgen“

Digitalisierung wird Schule, Lehren und Lernen grundlegend verändern!

Die fortschreitende Digitalisierung in der Arbeitswelt muss sich auch im schulischen Bereich der Beruflichen Bildung wiederfinden. Sie wird nur  durch den Erwerb der entsprechenden Kompetenzen in Aus- und Weiterbildung möglich. Nach einer digitalen Grundbildung in der Grundschule und der Sekundarstufe sind die geforderten Kompetenzen in den Berufsfeldern unterschiedlich und müssen in den Fachverbänden identifiziert werden um in den Prozessen der Rahmenlehrplanarbeit der KMK einzufließen (vgl. Bildung in der digitalen_Welt_- Stategie der KMK.pdf)

Die Digitalisierung bietet die Chance für ein hohes Maß an Individualisierung des Lebens und des Lernprozesses, weil jedem Menschen zu jeder Zeit das world wide web mit allen Informationen, Analysen, Lernprogrammen etc. zur Verfügung steht.

Die Schüler*innen von morgen müssen bereits mit Abschluss der Sek I ein hohes Maß an digitalen Kompetenzen mitbringen. Dazu gehört nicht nur die Fähigkeit digitale Angebote zu rezipieren, sondern auch die Fähigkeit selbst digitale Inhalte zu erstellen. Dazu bedarf es eines Grundverständnisses im Programmieren und ein ebenfalls grundlegendes Verständnis der technischen Geräte und ihres Zusammenspiels. Trotzdem darf die Fähigkeit auch die Grenzen von Problemlösung durch Digitalisierung zu erkennen nicht verkümmern. Neben den nach wie vor wichtigen Grundkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen und Fremdsprachen muss auch z.B. die Kreativität gefördert werden. Nur in einer möglichst breiten Ausgewogenheit im Zusammenspiel vieler Kompetenzen können digitale Kompetenzen ihre volle Wirkung entfalten.

In der Aus- und Weiterbildung ist dann das Ziel aufbauend die digitalen Kompetenzen, die für die Berufswelt von Bedeutung sind, zu vermitteln. Dazu muss sich auch die Art des Lernens verändern:

  • Ausdehnung des Lernens in Projekten, nicht im Stundentakt
  • Individuelle Organisation des Lernens nach Leistungsstand der SuS und Auszubildenden zulassen
  • Offene Schul-Raum-Konzepte
  • Offen Räume für soziale Begegnungen
  • Flexible Arbeitszeiten bzw. veränderte Arbeitszeitberechnung für Lehrkräfte
  • Unterrichtsplattformen ausbauen (z.B. „Lernraum Berlin“)
  • Personelle Unterstützung beim Einrichten und Gestalten von schuleigenen Lernplattformen / Blended Learning
  • Kooperation mit Universitäten und Hochschulen
  • Lizenzen statt Lehrbücher
  • … und unabdingbar: Eine enge Kooperation mit allen(!) beteiligten Ausbildungsbetrieben!

Die Schulen müssen auch organisatorisch und sachlich für die veränderte Art des Lernens mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet sein:

  • Internetzugang mit ausreichender Kapazität für jede Schule
  • W-LAN - Nutzung in jedem Schulraum
  • Rechner/Tablets, die es jedem Schüler, jeder Schülerin ermöglichen, am E-Learning teilzunehmen (schulspezifische Konzepte an OSZs zulassen)
  • Auf der Basis steuerrechtlicher Nutzungszeiten finanzielle Mittel für Ersatzbeschaffung kalkulieren
  • Wartung der IT- Systeme durch eine Fachkraft an jeder Schule/OSZ
  • Möglichkeit des rechtssicheren Betriebes
  • Arbeitsplätze mit entsprechender Ausstattung für die Lehrkräfte an den Schulen

Für ein Lernangebot in der skizzierten Weise müssen verstärkt Fortbildungen für den Umgang mit der Informationstechnologie angeboten werden, deren Wahrnehmung durch die Lehrkräfte mit Freistellung vom Unterricht ermöglicht wird. Auch Universitäten müssen sich bei der Lehrerausbildung den neuen Herausforderungen stellen: Fachlich, methodisch und didaktisch.