März 2026

Wahlprüfstein: Übergänge sichern statt Jugendliche im System zu verlieren (11. Pflichtschuljahr)

Aktuelle Situation

Das 11. Pflichtschuljahr soll Jugendlichen nach Klasse 10 einen verbindlichen Anschluss sichern. Dieses Ziel wird in Berlin verfehlt: Jährlich gelingt für mehr als 3.000 Jugendliche kein bruchfreier Übergang. Zu viele verlassen die Sekundarstufe I ohne tragfähige Orientierung. Statt früh Klarheit zu schaffen, wird Unsicherheit ins 11. Pflichtschuljahr verschoben. Kommt es zu Abbrüchen, landen Jugendliche oft nachträglich in der IBA-Praxis – als Reparaturmaßnahme statt als verlässlichem Bildungsweg.


Vision

Kurzfristig muss das 11. Pflichtschuljahr so organisiert werden, dass Fehlentscheidungen früh korrigiert und passende Angebote tatsächlich bereitgestellt werden. Langfristig müssen alle Jugendlichen die Klasse 10 mit einer belastbaren Anschlussentscheidung verlassen. Berufs- und Studienorientierung muss dafür in allen Schulformen verbindlich verankert werden. Zugleich braucht Berlin ein bedarfs- deckendes Angebot an dualen und vollzeitschulischen Ausbildungsplätzen.

Das 11. Pflichtschuljahr darf kein Auffangbecken für Fehlsteuerung sein. Berlin muss Übergänge ver-

bindlich absichern, Orientierung vor dem Scheitern organisieren und genügend qualifizierende Ange-

bote bereitstellen

Forderungen des Schulleitungsverbandes der beruflichen Schulen an die Landespolitik

Kurzfristig

  1. Verkürzte Probezeiten:
    Der Senat verkürzt die Probezeiten in den betroffenen Bildungsgängen auf maximal ein halbes Jahr.

  2. Zusammenführung der IBA-Varianten:
    Die parallelen IBA-Varianten werden zusammengeführt und die Stundentafel flexibilisiert, damit passgenaue Angebote entstehen. Die Regelungen zu den Wunschvarianten werden vereinfacht. Vorrang hat der direkte Übergang in Ausbildung.

  3. Schaffung von genügend Plätzen nach Klasse 10:
    Das Land Berlin schafft unverzüglich ein bedarfsdeckendes Angebot an qualifizierenden Plätzen nach Klasse 10, einschließlich vollzeitschulischer Ausbildungsplätze.


Langfristig


  1. Verbindlicher Zeit- und Maßnahmenplan:
    Der Senat legt einen verbindlichen Zeit- und Maßnahmenplan für erfolgreiche Anschlussentscheidungen nach Klasse 10 vor.

  2. Verbindliche Berufsorientierung :
    Die Curricula in Integrierten Sekundarschulen und Gymnasien werden so überarbeitet, dass Berufs- und Studienorientierung verbindlich und systematisch verankert ist. Praxisorientierte Erfahrungen und Anschlusskompetenzen werden verbindlicher Bestandteil schulischer Leistungsbewertung.

  3. Regelung des Übergangs nach Klasse 10:
    Die Verantwortung für den Übergang nach Klasse 10 wird eindeutig geregelt und nicht länger
    zwischen den Systemen verschoben. Berlin verpflichtet sich politisch dazu, dass kein junger Mensch
    nach Klasse 10 ohne tragfähige Anschlussoption bleibt.

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